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Employer Branding oder warum Chefs für den Marathon trainieren sollten

30. Januar 2019

Marathon

Informatiker und andere IT-affine Bewerber verzweifelt gesucht? Der Aufbau einer attraktiven Arbeitgebermarke galt schon vor fünf Jahren als Königsweg, um begehrte Kandidaten auf sich aufmerksam zu machen. Im Employer Branding werden die Prinzipien von Produktmarken auf Arbeitgeber übertragen. Nach Analyse des Arbeitgebers und seines Umfelds muss die Marke definiert und ein einheitliches Konzept umgesetzt werden – auf der eigenen Website, in sozialen Medien und Netzwerken, in Stellenanzeigen und bei Messeauftritten. So weit, so bekannt.

Doch viele Unternehmen negieren bis heute, dass Employer Branding kein 100-Meter-Sprint, sondern Langstrecke ist und vor allem Recruiting-Probleme nicht kurzfristig löst. „Ein Great Place to Work zu bleiben ist wie Radfahren. Wer stehen bleibt, fällt um.“ Das sagt einer, der es wissen muss. Volker Maiborn stellt sich mit seinem IT-Beratungshaus MaibornWolff schon seit 2012 dem Benchmark-Wettbewerb Great Place to Work, der die besten Arbeitgeber ermittelt und zu großen Teilen auf einer anonymen Mitarbeiterbefragung beruht. Deren Ergebnisse nimmt er jedes Jahr zum Anlass, immer wieder neue Stellschrauben zu finden, an denen er und sein Team drehen können.

Würde ich als junger Mensch in meinem Unternehmen anfangen wollen? Diese Frage sollte sich jeder Geschäftsführer und Personalverantwortliche regelmäßig stellen und auch ehrlich beantworten. Fällt die Antwort negativ aus, liegt das sicher nicht nur am Employer-Branding-Konzept. Denn das kann nur so gut sein wie es die realen Arbeitsbedingungen im Unternehmen erlauben. Bunte Bildchen und Videos mit glücklichen Mitarbeitern in schicken loftartigen Büros locken zwar Bewerber an. Diese müssen aber als Mitarbeiter genau die Offenheit und Flexibilität vorfinden, die die Employer-Branding-Kampagne suggerierte. Und da sind wieder die Führungskräfte gefordert, und zwar jeden Tag von Neuem.

Wenn Sie einen Chef kennen, der schon fleißig trainiert, fragen Sie ihn, ob er über seine Erfahrungen erzählen will. Ich höre ihm gerne zu.

Alexandra Mesmer, amesmer@computerwoche.de