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ePrivacy – ja, aber bitte pragmatisch!

29. Januar 2019

30 Prozent weniger Umsatz im Digitalgeschäft – das befürchten deutsche Verleger mit Blick auf den aktuellen Entwurf zur ePrivacy-Verordnung (ePVO).

Mehr Verbraucherschutz – da kann niemand widersprechen. Doch leider schmiedet die Europäische Union mit der ePrivacy-Verordnung in ihrer jetzt geplanten Form ein zweischneidiges Schwert. Es wird nicht die großen amerikanischen Datenkraken wie Google, Facebook und YouTube treffen. Ganz im Gegenteil: der jetzige Entwurf stärkt die marktbeherrschenden Plattformen sogar noch. Andererseits werden europäische Medien beschnitten. Paradox, dass ein solcher Entwurf aus der Feder einer zentralen europäischen Institution stammt!

Nehmen wir das Beispiel Cookies: Wer den ePVO-Entwurf liest, merkt, dass da Ideologen am Werk sind. Pragmatiker wissen, dass viele Cookies den Komfort für den Nutzer der Website, den Verbraucher also, erheblich verbessern. Wir bieten den Lesern maßgeschneiderte Qualitätsinhalte, basierend auf den Themen, für die sie sich interessieren. Außerdem erleichtern Cookies Recherchen und Bestellvorgänge. Realisten wissen, dass Anbieter von digitalem Qualitätsjournalismus Geld verdienen müssen. Wir werden nicht anfangen, uns dafür zu schämen.

Der Verband der Deutschen Zeitschriftenverleger hat errechnet, dass die ePVO in ihrer aktuellen Form 30 Prozent des Digitalumsatzes pulverisieren wird. Ein Albtraum – zahlreiche unabhängige Medienhäuser müssten schließen. Es wird insbesondere kleinere und mittlere Anbieter treffen. Daher fordert der Verband, die Richtlinie inhaltlich so zu überarbeiten, dass sie politisch und wirtschaftlich Sinn macht.

Wie Print vom Verbraucherschutz profitieren kann

Doch alles hat zwei Seiten und so bietet Verbraucherschutz ja auch Chancen. Stichwort Datenschutzgrundverordnung (DSGVO oder GDPR): Die Medienhäuser, die sich im VDZ organisieren, nehmen Datenschutz sehr ernst. Als Anbieter inhaltlich hochwertiger Medienangebote zählen wir zu den Vorreitern der Branche. Und das macht uns für werbetreibende Unternehmen attraktiv. Denn diese müssen gerade nach Fällen wie bei Cambridge Analytica sehr genau prüfen, ob sie im Umfeld von Google, Facebook und YouTube glaubwürdig am Markt erscheinen. In unseren Editorial-Media-Umfeldern finden die Unternehmen vertrauenswürdige und leistungsstarke Werbeflächen.

Möglicherweise erleben wir nun sogar eine Print-Renaissance. Zwar wird Print von diversen Untergangspropheten seit Jahren kleingeredet und der Wettbewerb ist teilweise extrem. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Print in vielen Bereichen in Deutschland nach wie vor sehr gut läuft.

Abschließend lässt sich festhalten: Editorial Media funktioniert mit seinen Medienmarken auf vielen Kanälen gut und wirtschaftlich profitabel – das gilt für Fachmedien und auch Publikumsmedien. Gerade in Zeiten von Intransparenz und mangelndem Verantwortungsgefühl können wir also mit unseren Stärken punkten.

Ein Kommentar von Jonas Triebel, Sprecher des Digital Steering Commitee im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e.V. (VDZ) und Managing Director, IDG Deutschland.